Frage zum Umgang mit Träumen

Hier können sich Besucher untereinander Träume posten und helfen, diese zu deuten.

Moderator: Mirakulix

Frage zum Umgang mit Träumen

Beitragvon dcbnewmexico » 11.01.2014, 16:00

Hallo an alle,
mit Interesse habe ich im thread "nehmen und schweigen" gelesen, wie konsquente Trumdeutung wirklich das Leben verändern kann. also, hier ein eher allgemeine Frage, denn es ist so, dass ich gerade in letzter Zeit, immer wieder intensive Traumfetzen hab, aber eben nur Fetzen. D.h. ich wach auf, und die Situationen im Traum sind verworren, oder unklar, z.B. irgendwas mit "Lateinvokabeln" ablegen, und dann hab ich bestimmte Handgriffe in Erinnerung und das Bild von Zweigen oder so, und weiß, dass es um diese "Lateinvokabeln" ging, aber es ist irgendwie ist es nicht genug, um das überhaupt richtig als "Traum" zu greifen. Oder irgendwas in ner Umkleidekabine und irgendwas mit alle zum Schlafen (und Sterben) bringen, und mich auch, aber dann doch irgendwie aufstehen und rumlaufen usw. und dann weiß ich nichtmal, wie ich so einen Traum "erzählen" kann, weil ich das Gefühl habe, ich würde mich dann entscheiden, um das ganze für meinem Verstand "fassbar" zu machen, um etwas zu erstellen, was sich von mir oder anderen deuten ließe, und das würde den Traum wahrscheinlich verfälschen.

Also, wie geht ihr da vor? Wenn der Traum aus unlogischen, oder widersprüchlichen Fetzen in Erinnerung ist. Soll ich anfangen, was aufzuschreiben? Was, wenn ich dann das Geträumte in die mir verständlichen Muster meines Verstandes "hinein-erinner" und es dadurch verfälsche?

Bislang, hab ich diese Fetzen dann fallen lassen. Das würde mich interessieren, wie erfahrene Deuter das bei sich selber machen.
Danke,
dcb
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Re: Frage zum Umgang mit Träumen

Beitragvon yogini » 11.01.2014, 20:55

Hallo Du,

ich finde du bist schon auf der richtigen Spur. Es ist nicht gut , einen Traum in , für andere verständliche Worte, zu pressen ,nur um ihn erzählen zu können. Dabei wird manchmal der eigentliche Inhalt ausversehen verfälscht.
Sehr oft versucht der wache Verstand das Geträumte in einen sinnvollen Rahmen zu bringen. Ausserdem lässt er gern die unangenehmsten Details unter den Tisch fallen.
Wenn morgens nicht mehr als ein Fetzen noch da ist, dann versuch doch einmal selbst zu ergründen , welches Gefühl oder welches Thema , da mitgespielt hat. Und frage dich , wie du ganz ehrlich dazu stehst.
Je länger du dich mit deinen Träumen befasst , desto besser wird mit der Zeit dein Erinnerungsvermögen. Und vielleicht werden , dann aus den Fetzen langsam längere Episoden.

Auch wenn die Traumdeuterei eine gute Lebenshilfe und Weg zur Selbsterkenntnis sein kann. So rate ich dir trotzdem auch einfach im Hier und Jetzt präsent zu sein , statt nur über Geträumtes zu grübeln.

Mit liebem Gruß Yogini.
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Re: Frage zum Umgang mit Träumen

Beitragvon Crank » 12.01.2014, 18:51

Hallo Dani,

ich sehe das eher entspannt. Träume sind nach meiner Meinung nicht dazu da, dass man den letzten Fetzen immer erinnert. Wenn es wichtig ist, wird es einen schon in den Tag hinein verfolgen. Wenn nicht, war es nicht wichtig genug.

In Dingen, die man entscheiden muss oder möchte, können einen Träume zur richtigen oder falschen Entscheidung führen. Helfen einem die Träume nicht, seine Wünsche, Gedanken oder Gefühle besser zu verstehen, so ist man mit einem Münzwurf vermutlich genauso gut oder gar besser beraten.

LG,
Frank
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Re: Frage zum Umgang mit Träumen

Beitragvon Caterina » 12.01.2014, 19:30

Hallo Dani,

soweit ich das bisher generell mit Träumen verstehe und verfolge gibt es "traumreichere und traumärmere" Phasen. Wir glauben dann, wenn eine traumarme Phase kommt, dass wir garnicht träumen. Doch wir träumen jede Nacht - die Erinnerung ist dann das Thema und das sprichst du ja auch an.

Traumfragmente sind völlig ok. Es geht bei Träumen nicht um "Leistung". Träume entstehen und alles, was "derzeit" wichtig ist, wird meistens auch erinnert. Alles, was "zensiert wurde oder was derzeit unwichtig ist" wird meistens nicht erinnert. Du kannst das aber trainieren, indem du dir ein Traumtagebuch anlegst und es neben dein Bett deponierst. Wann immer du erwachst schreibst du dir das auf, was du erinnerst.Du kannst dir auch "fest vornehmen" vor dem Einschlafen, dass du dich gerne erinnern möchtest, dein UB wird das nach einiger Zeit "aufnehmen und umsetzen".

Ich halte wenig von "Zwangaktionen" ;-). Ich glaube, dass der Wunsch nach Deutung dann entsteht, wenn man einen Traum hat - oder Traumfragmente, die einen für längere Zeit beschäftigen - wie es Crank bereits schrieb. Es entsteht meist von selbst der Wunsch, das zu verstehen was man erinnert und einen beschäftigt hat. Da es sich um "Bilder" vornehmlich handelt glaube ich weniger, dass man dem "grosse Dichtungen hinzufügen kann" ;-). Das ist vor allem dann möglich, wenn man im Wachzustand in den Traum zurückgeht und ihm dann "ein anderes Ende" gibt; sozusagen eine andere Form der Traumarbeit - abgesehen von der Deutung. Wir hatten hier im Forum diese Diskussion bereits darüber vom sogenannten luziden Träumen bis hin zu hypnotischen Verfahren, wo diese Technik angewendet werden kann.

Ich persönlich nehme Träume, was sie sind: Botschaften aus meinem Unbewussten und diese kommen, wenn Zeit dafür ist. Wenn sie nicht kommen, auch gut ;-). Wenn ich das "Gefühl habe", die Botschaft ist für micht wichtig oder mich der Traum - das Traumfragment sehr beschäftigt, deute ich ihn mir (hier sehe ich gerade eine Parallele zum Thread von LeonardB und Gendlin ;-) ).

My 2 Cents
Caterina
 

Re: Frage zum Umgang mit Träumen

Beitragvon dcbnewmexico » 12.01.2014, 20:59

Hallo,

mir geht es gar nicht so sehr darum, mit Gewalt, mehr als Fetzen haben zu wollen. Meine Frage ist eher an Folgendem begründet:

Ja, es gibt traum-reichere Phasen und welche, in denen sich das Träumen weniger in den Vordergrund drängt. Nun habe ich eben eine sehr Traum-reiche Phase und dann denke ich, vielleicht könnte ich meine Träume besser interpretieren, wenn ich jeden Morgen das "ganze Bild" aus meinem UB hätte. Aber dann sind wieder 2-3 Tage nicht so brauchbar, und dabei hätten sie mir vielleicht auch die Richtung gewiesen, aus der ich einen vorigen Traum sehen sollte. Ist das verständlich formuliert? tu mich grade schwer...

Also, im Forum wurde eben berichtet, dass manche Traumaturgen durch konsequente Deutung sich selbst in bestimmten Lebensphasen begleitet haben, so formuliere ich das mal, und das finde ich sehr interessant. Und dann möchte ich gerne diese konsequente Linie ziehen, und es kommt nur eine Strichlinie dabei raus, weil dazwischen Tage sind, wo's nicht geht...

Im Grunde hängt auch die Frage dran: In wie weit ist jeder Traum in sich selbst unabhängig, oder eingebettet in den Kontext der umliegenden Nächte?
LG, dcb
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Re: Frage zum Umgang mit Träumen

Beitragvon yogini » 13.01.2014, 18:21

Hallo,

kann es sein , dass du da eine Form von Effektivitätswunsch hast ?
In meinen Augen ist das Traumleben wie eine Quelle , die mal leise , mal heiter fröhlich mal aufgebraust sprudelt. Ich versuche sie einfach so anzunehemen, wie sie ist. Beim Lesen deines Posts da bekomme ich das Gefühl , du hättest für dich gern eine Art Wasserhahn , der die Quelle wohldosiert und in verständlicher Ordnung fließen lässt.
Als wöllte man den Wolken am Himmel sagen wie oft in welcher Frequenz und Reihenfolge sie vorbeizufliegen haben , damit man soviel wie möglich damit anfangen kann. Die Wolken aber und die Träume haben ihre eigenen Ordnungssystheme. Sie kommen und gehn wie sie wollen.

Korrigier mich , wenn ich dich falsch verstanden habe.

Im Übrigen ist jede Traumnacht genau so in die Traumwoche eingebettet wie die Tage. Mal sind die Tage und die Nächte relativ gleich , mal kommt ein völlig neues oder ein hundealtes überraschend Thema daher.
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Re: Frage zum Umgang mit Träumen

Beitragvon Amyth » 13.01.2014, 20:41

Hallo dcb,

ich kenne das Gefühl, etwas geträumt zu haben, für das ich gar keine richtigen Begriffe habe. Und wenn ich versuche, das trotzdem aufzuschreiben, ist es so, als würde man den Traum verfälschen. Ich sage mir dann: das Aufschreiben ist der erste Deutungsschritt. Ich glaube, das ist immer so: der aufgeschriebene oder erzählte Traum ist nicht der Traum, sondern es ist die erste Deutung des Traums. Manchmal fehlen mir so viele Begriffe dazu, dass ich nur ein paar Linien aufs Papier male. Z.B. Pfeile für die Richtungen im Traum und Kreise für Orte. Auch das ist schon eine erste Deutung.

Du empfindest das als "Verfälschung". Aber den Originaltraum gibt es halt nur genau dann, wenn man ihn träumt. Was man auf der bewussten Ebene danach damit macht, verändert den Traum immer. Denn es ist die (erste) Antwort des Bewusstseins oder des Verstandes auf den Traum. Damit daraus eine fruchtbare Kommunikation zwischen Bewusstem und Unbewussten wird, braucht man auf die Antworten des Verstandes dann erstmal die erneute Antwort des Unbewussten, bevor man zum nächsten Deutungsschritt geht. Um so etwas geht es glaube ich in dem Thread über die körperorientierten Feedback-Methoden von Eugene Gendlin.

Über mehrere Tage mit Träumen an einem Thema dranzubleiben ist ja nicht nötig, wenn man nicht gerade in einer "dramatischen" Lebensphase ist oder an irgendeiner Fragestellung "festhängt". Die Träume begleiten einen ja auch dann, wenn sie immer wieder neue Aspekte von dir beleuchten. Und aus diesen Mosaiksteinchen bekommt man ein Gefühl für das Ganze des eigenen Unbewussten. Die Träume schubsen einen gewissermaßen immer in die Richtung, die gerade aktuell für das Unbewusste angesagt ist. Was erledigt ist, wird nicht weiter verfolgt. Warum sollte diese Richtung morgen dieselbe sein wie heute oder gestern? Und warum sollte an jedem Tag so ein "Schubser" nötig sein?

Kontinuität ist etwas Lineares, das kommt meiner Meinung nach aus dem Bewusstsein und entspricht nicht der eher sprunghaften Natur von Träumen, denke ich.
Liebe Grüße
Amyth
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